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Vergangenheit Verplichtet

BEKANNTE ST.GALLER FREIMAURER

OTTO HENNE AM RHYN
1828 – 1914

Sein Traum ist die Gründung einer «Freien Universität», ein «Tempel der freien Wissenschaft» – Otto Henne am Rhyn weiht sein Leben dem Kampf «für Freiheit des Glaubens und der Forschung», Ideale, die ihn zum Freimaurerbund führen. In St.Gallen wächst er als Sohn eines liberalen Katholiken auf. Der konservative Rückschlag von 1833 vertreibt die Familie nach Bern, der liberale Aufschwung von 1855 bringt ihn an die eben gegründete Kantonsschule St.Gallen zurück. Bald schon wird er Staatsarchivar, zwischenzeitlich auch sieben Jahre lang Journalist in Leipzig; 1884 lässt er sich endgültig in St.Gallen nieder.

Die politischen Wechselbäder des Jahrhunderts führen ihn zur Kulturgeschichte; was ihn nebst zahlreichen Schriften auch zu seinem «Anti-Zarathustra» veranlasst. Denn früh schon erkennt er die Gefahren in Nietzsches Kokettieren mit der Macht. Für Henne am Rhyn gehört die Zukunft weder den Radikalen noch den Reaktionären, sondern einer Freiheit, die sich zum Dienst an der Gesellschaft berufen weiss.

HERMANN SCHLATTER
1845 – 1922

19 Häuser mit 200 Wohnungen, gebaut, um die Wohnungsnot von Arbeiterfamilien zu lindern – die Siedlung zwischen Flurhof- und Goldbrunnen-Strasse erinnert bis heute an den Kaufmann und Divisionär Hermann Schlatter. Dieser sieht früh schon, in welch unzumutbaren Unterkünften die vielen Arbeiter wohnen, die von der boomenden Stickereiindustrie in die Gallusstadt gelockt wurden. Für ihn ein Anlass, Politiker, Ortsbürger, Kaufleute zusammenzutrommeln und die «Genossenschaft für Arbeiter-Wohnfürsorge» zu gründen. Ein soziales Engagement, das bei Schlatter in den Idealen der Freimaurerei gründet. Es ist seine Art, für den beruflichen Erfolg dankbar zu sein. Schlatter kommt als Sohn eines Stickerei-Entwerfers in Herisau zur Welt, absolviert die Merkantilabteilung der Kantonsschule und holt sich erste Auslanderfahrungen. Im Krieg von 1870 beginnt seine militärische Karriere. Anschliessend gründet er ein erfolgreiches Handelsunternehmen, das ihm die Basis für sein öffentliches Wirken bietet. Als Mitinitiant für Trambahn und Tonhalle weiss er, dass die Zivilgesellschaft Aktivmitglieder braucht.

LOUIS REICHENBACH
1849 – 1925

Die Eltern von Louis Reichenbach gehörten zu den ersten Hohenemser Juden, die nach der Einführung der Niederlassungsfreiheit nach St.Gallen zogen und im Textilhandel ihr Glück suchten.

Dies wird auch die Welt von Louis Reichenbach. Gleich nach der Lehre vertritt er bereits eine sanktgallische Exportfirma in London. Dann erfasst er als einer der Ersten, welche Chance in der 1863 erfundenen Schifflistickmaschine liegt. Zusammen mit seinem Bruder beginnt er den Handel mit den neuen Stickereierzeugnissen, erlebt einen kometenhaften Aufschwung, kann an allen wichtigen Handelsplätzen der Welt Niederlassungen gründen. Louis Reichenbach verliert sich aber nicht im Erfolg, sondern versteht ihn als Auftrag, sich sozial einzusetzen: zunächst für die Mitarbeitenden im eigenen Unternehmen, darüber hinaus aber auch für das Wohl der Kinder in der Stadt. Ein erstes Projekt ist die Gründung von Kinderhorten, das zweite die Einrichtung der Kinderkrippe Sternacker. In all dem fühlt er sich von der Loge getragen, von einem Freundeskreis, bei dem «Herz und Gemüt» Heimat finden.

HANS HAUSAMANN
1897 – 1974

Ein Gedenkstein erinnert auf der Kreuzbleiche an Hans Hausamann, den «Wächter, Deuter, Mahner», der die Landesverteidigung als Lebensaufgabe sieht. 1925 eröffnet der gelernte Fotograf sein Fotohandelsunternehmen. Sein geschulter Blick hilft ihm auch, die Gefahren zu erkennen, die sich seit den 1920er-Jahren in Deutschland zusammenbrauen. Den Widerstand gegen Defaitismus empfindet er als persönliche Berufung. Er wird Pressechef der Offiziersgesellschaft, baut den Armee-Filmdienst auf, gewinnt die SP für die Aufrüstung und gründet das «Büro Ha». Mit diesem beschafft er während des Zweiten Weltkriegs Nachrichten über die militärische Entwicklung in Europa; zunächst auf eigene Faust, später in offiziellem Auftrag.

Als Mitglied der Loge weiss er, dass es im Einsatz für die Freiheit keine Kompromisse gibt. So gehört er zur «Offiziersverschwörung», die sich unbedingten Widerstand gelobt. Wachsam im Krieg, verbindlich im Frieden: 1956 ruft er die internationalen Pferdesporttage ins Leben, die er nicht nur als Sport-, sondern als Völkerfest versteht.

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