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Literatur

Wer sich in Ruhe weiter informieren möchte, dem steht eine reichhaltige Literatur zu Geschichte und Bedeutung der Freimaurerei zur Verfügung.

Sehr gut assortiert ist die Stiftung Bibliotheca Masonica August Belz www.bmab.ch welche von der Kantonsbibliothek "Vadiana" www.kb.sg.ch in St. Gallen betreut wird.

Helmut Reinalter "Die Freimaurer" C.H.Beck, 2000
Dieter A. Binder "Die Freimaurer, Ursprung, Rituale und Ziele einer diskreten Gesellschaft" Herder, 1998
Michel Dierickx "Freimaurerei. Die große Unbekannte" Studien Verlag, 1999


Unsere Gesellschaft und die Freimaurerei - heute und morgen

Die drei St. Galler Freimaurerlogen Concordia, Humanitas in Libertate und Bauplan starteten als gemeinsames Projekt einen sechsteiligen, öffentlichen Vortragszyklus. Namhafte Referenten verschiedenster Herkunft nahmen aus ihrer Sicht Stellung zu Veränderungen und Entwicklungen in Gesellschaft, Religion, Politik, Spiritualität, Kultur und Kunst.

Die unter regem Publikumsinteresse abgehaltenen Vorträge endeten mit einer ebenso angeregten, teilweise kontroversen Podiumsdiskussion mit den Zuhörern. Nachstehend einige Auszüge von Meinungen und Aussagen.


Die Multioptionsgesellschaft. Eine Herausforderung für die Freimaurer!
Prof. Dr. phil. Peter Gross für Soziologie an der Universität St. Gallen

Auszug Podiumsgespräch:
Es wird erläutert dass der Freimaurer danach trachtet, stets an sich zu arbeiten und sich weiterzubringen, sich zu verbessern - symbolisch den rauen Stein zu behauen. Es ist ein Vorhaben, das nie ein Ende findet, solange man lebt. So ist auch der besagte behauene Stein nur ein kleines Teilchen am Bau des Tempels der Humanität - ein weiteres Symbol für das Arbeiten an einem gemeinsamen Werk, das nie vollendet respektive erreicht werden kann.

Freimaurerisch durchlebt der Mensch drei Stufen (der Menschwerdung): auf der ersten - die des Lehrlings -schaut der Mensch in sich. Auf der zweiten Stufe schaut der Geselle um sich und fügt sich in die Gesellschaft als Ganzes ein. Und auf der dritten und letzten Stufe steht der Meister; er schaut über sich - das Transzendentale.

Die Freimaurerei versteht sich ais überkonfessionelle Bewegung. Deshalb spricht der Freimaurer auch nicht von Gott oder einer anderen konkreten Gottheit sondern vom allmächtigen Baumeister aller Welten, der eine übergeordnete Kraft symbolisiert, die aber von jedem Einzelnen individuell verstanden werden kann.

Professor Peter Gross stellte am Schluss dieses Abends die Frage in den Raum, warum die Freimaurerei diesen allmächtigen Baumeister aller Welten im Zuge der zweiten Moderne nicht einfach weglasse. Schliesslich sei es doch eine wunderbare Vorstellung, nicht zu wissen, woher wir kommen und daher diese Welt einfach so zu bewältigen wie sie ist und das Beste aus dieser Welt zu machen.


Spiritualität in unserer Zeit
Abt Daniel Schönbächler, Abtei Disentis (GR)

Auszug Podiumsgespräch:
Es wird der Frage nachgegangen, wie Spiritualität in der Freimaurerei gelebt wird Dabei wird die Arbeit am rauen Stein als Symbol für die Selbsterkenntnis hervorgestrichen. In der Bruderschaft wo Herkunft, Religion sowie gesellschaftlicher und materieller Status keine Rolle spielen, kann sich der Einzelne ganz seiner geistigen Entfaltung widmen. Der rege und respektvolle Austausch mit den Brüdern würde die Erkenntnistiefe des einzelnen Bruders vergrössern und die geistige Entfaltung fördern. Spiritualität im Sinne von „wach werden“ und sich unter ein geistiges Konzept stellen, kommt hauptsächlich in den Ritualen zum Tragen, wo gerade die verwendeten Symbole die Funktion haben, eine kosmische Ordnung auf die weltliche zu projizieren.


Freimaurerei, Kirche und Religion  
Diakon Thomas Reschke, Kath. Universitäts-Seelsorger an der Universität St. Gallen


Das „Dan Brown-Syndrom“: Freimaurerei und Verschwörungstheorien 
Gers Schrem, bildender Künstler und Schriftsteller, Gastdozent and er FU Berlin

Auszug Podiumsgespräch:
Im Podiumsgespräch wird der Frage nach dem Geheimnis der Freimaurerei nachgegangen. Dabei wurde klar, dass vieles, was sich in den Vorurteilen über die Freimaurerei versteckt, öffentlich zugänglich ist und mittels Internet leicht einsehbar wäre - sogar ganze Ritualstexte kann man dort finden. Dabei liege das Geheimnis des Rituals nicht im Wortlaut, sondern im persönlichen Erleben - im stimmungsvollen Miteinander. Rituale und die darin verwendeten Symbole seien lediglich ein Hilfsmittel zur persönlichen Weiterentwicklung – dem stetigen Arbeiten am rohen Stein


Politiker als Freimauerer – Freimaurer als Politiker 
Dr. phil. Nat. Ulrich Haudenschild, Berner Stadtrat

Auszug Podiumsgespräch:
im anschliessenden Gespräch wird klar unterschieden zwischen freimaurerischer Meinungsbildung innerhalb der Loge, wo die freie Meinung jedes Einzeinen zu achten und akzeptieren sei und gesellschaftlichem, politischem Engagement. in der Politik komme das freimaurerische Gedankengut vor allem in der Art wie man politisiere zum Ausdruck: indem vermehrt zugehört anstatt nur aneinander vorbei geredet wird und indem der politische Gegner ais gleichwertiger Mensch behandelt wird, was automatisch eine sachbezogene und nicht mehr personenbezogene Debatte nach sich ziehen wurde. Der Freimaurer als Politiker sollte seine Politik auch auf einem optimistischen, positiven Menschenbild abstützen und nicht auf einem pessimistischen. Sein Wirken sollte aufrichtig und ethisch sein und sich am Gesamtwohl der Gesellschaft und nur auf die kommende Legislaturperiode ausrichten.


Eine Idee prägt die Zeit – Freimaurerische Spuren in der Gesellschaft und Kultur 
Alex Bänninger, Publizist

Auszug Podiumsgespräch:
Es wurde die Kernfrage aufgeworfen, ob Persönlichkeiten wie Lessing, Mozart. Montesquieu und andere ihr grossartiges Werk schufen, weil sie Freimaurer waren oder obwohl sie Freimaurer waren. Es müsse wohl beides sein. Die Freimaurerei sei eine Lebens- und Denkschule, und die Loge ein Ort der Kraft Damit aber ein Mensch Spuren hinterlasse, also einen besonderen Beitrag für die Menschheit leiste, brauche es diesen Funken wie zu Zeiten der Aufklärung. Dafür müsse aber jeder einen Beitrag leisten, um die Weit ein bisschen besser zu machen. Ignoranz und Egoismus müssen überwunden werden, indem man sich wieder vermehrt für das Gesamtwohl einmische und engagiere. In diesem Sinne sei jetzt die Zeit der Freimaurerei, wo Gemeinnutz über dem Eigennutz stehe und Solidarität wieder ein praktiziertes Wort sei.